Filmt & findet euch

Unser ungewöhnlichstes Seminar beginnt mit einer ebenso ungewöhnlichen Geschichte: Der sowjetische Filmemacher Medwedkin reiste in den Jahren 1932/33 mit einem Team von 31 Menschen in einem seltsamen Eisenbahnzug durch die noch junge UDSSR. Die Wagons beherbergten ein modernes Kopierwerk, sechs Schneidetische, einen Tricktisch und einen zwei Meter langen Vorführraum. Medwekins Leute waren auf der Suche nach der sowjetischen Identität. 294 Tage lang rollten sie zu Zechen, Kolchosen, Stahlwerken, Armee-Manövern und  drehten, entwickelten und schnitten ganze 70 Dokumentarfilme. Die Interviewten erzählten von Missständen und Ungerechtigkeiten. Sie berichteten von ihren Träumen und Hoffnungen. Was sie der Kamera mitteilten, wurde über Nacht fertiggestellt und an der nächsten Station wieder vorgeführt, bevor die dortigen Zuschauerinnen zu den neuen Interviewten wurden, deren Ideen und Kritik dann wieder auf die Reise ging. Der Zug schuf ein Band der Kommunikation zwischen weit entfernten Orten und weitaus verschiedenen politischen Positionen. Die Geschichte ist heute beinahe vergessen. Zeit, sich zu erinnern.

Gruppen von Menschen, die für Veränderung eintreten, sind meist äußerst heterogen zusammengesetzt. Die Zielstellungen von Menschen unterscheiden sich ebenso wie die zugrundeliegenden Motive und Grundannahmen. Heterogenität birgt stets zwei gegensätzliche Potentiale: konstruktive Vielfalt oder destruktive Zerrüttung. Erstere ist natürlich wünschenswert und sie gewinnt ihre Kraft aus gegenseitiger Achtung und der Anerkenntnis des Wertes divergierender Positionen.

Für dieses Ziel ist Film ein äußerst wirksames Mittel. Eine Kamera verleitet zu Präzision bei der Formulierung der Gedanken. Ein Stück fertiger Film reduziert den Diskurs zum Gesehenen auf das Wesentliche. Im dreitägigen Seminar werden sich die Teilnehmerinnen mit ihren Positionen auseinandersetzen und sie für andere darstellbar und verständlich machen. Sie werden sich – in vier Durchläufen – gegenseitig interviewen und die geschaffenen Sequenzen gemeinsam anschauen und erneut vor der Kamera im Interview hinterfragen. Die Rollen der Interviewten und der Interviewer werden dabei fortwährend getauscht.

Im Nachgang des Seminars wird bereits ein gemeinsames Ergebnis stehen. Ein Kurzfilm. Er wird zeigen, dass sich unterschiedliche Positionen aushalten lassen und gemeinsame Positionen überwiegen.

Detailierte Konzeption: senden wir euch gerne auf Anfrage zu und ist anpassbar.
mögliche Dauer: 3 Tage
Teilnehmerinnen: 5-20 | Teamerinnen 1-2 (je nach Teilnehmerinnnen)
Kooperation mit der LiMA ist möglich. | Kontakt für eure Anfrage: workshops@kameradisten.info oder mail@kameradisten.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *